Infoveranstaltung: Hohe Strompreise – was dagegen tun

Christian Blaufelder von den Grünen Obernburg-Eisenbach hat bei der Infoveranstaltung am 21.07.2026 im Bürgerhaus Obernburh (B-OBB) informiert, was auf allen Ebenen getan werden kann, um die in Deutschland hohen Strompreise zu verringern.

Der Referent hat dabei auf einen 5-teiligen Beitrag aus dem April/Mai diesen Jahres zurückgergiffen, der sowohl hier auf dieser Homepage wie auch bei Meine-News veröffentlicht worden ist. Angereichert wurde der Vortrag mit aktuellen Informationen.

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Beim Thema Energie- oder Strompreise differenzieren

Aufgezeigt wurde, dass in Deutschland zwar die Preise für Haushalte / Privatkunden mit am höchsten in Europa sind, dass die Preise für Großkunden aber seit 3 Jahren auf dem Niveau von 2018 liegen, als noch 7 Atomkraftwerke in Betrieb gewesen sind. Inflationsbereinigt liegen die aktuellen Strompreise 25% unter den Preisen von vor zehn Jahren.

Auch bei den Unternehmen oder Branchen muss differenziert werden. Die Misere z.B. der Automobilindustrie ist in keisnter Weise durch Energiekosten beeinflusst. An anderer Stelle wie z.B. der Basis- oder Grundstoffchemie ist der Einflusss der Energiekosten in der Tat enorm.

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Stromerzeugung – mehr erneuerbare, weniger fossile Energien

Die nachfolgende Grafik des Fraunhofer Instituts zeigt, dass die Stromgestehungskosten (LCOE – Levelised Cost of Electircity) der Erneuerbaren Energien am niedrigsten sind, die Kernenergie mit die höchsten Kosten aufweist.

Befürworter der Kernenergie weisen zu Recht darauf hin, dass beim Vergleich der Stromgestehungskosten die Systemkosten unberücksichtigt bleiben. Aktuelle Studien berücksichtigen jedoch auch diese Systemkosten und sprechen nun vom Konzept der Systembasierten Stromgesteheungskosten (S-LCOE – System-based LCOE). Das Ergebnis bleibt gleich: auch unter Berücksichtigung der Systemkosten sind die Kosten der Kernenergie am höchsten.

Insofern, so Christian Blaufelder, sei es unverständlich, dass immer wieder von Einzelnen der Einstieg Deutschlands in die Kernenergie gefordert werde. Erstaunlich sei das auch deshalb, weil bei einem Neubau von Kernkraftwerken die ersten kWh Strom keinesfalls vor 2045 ins Netz eingespeist werden könnten, also in einem Jahr, in dem Deutschland bereits klimaneutral sein will.

Kernenergie, so das Fazit, ist zu teuer und eine Umsetzung zu langsam. Weltweit nimmt der Anteil der Kernenergie kontinuierlich ab und liegt nun unter 9%. Demgegenüber ist der weltweite Ausbau vor allem der Solarenergie unglaublich hoch, wodurch die stark fallenden Preise bei den Solarzellen, der ständig steigende Wirkungsgrad beigetragen hat. Gleiches gilt für Batteriespeicher, deren Kosten massiv gesunken sind.

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Stromverteilung – auch die härteste Nuss der Energiewende wird geknackt

Mehrere Ursachen sind dafür verantwortlich, dass wir heute intensiv über Energiekosten sprechen:

  • Deutschland hinkt massiv beim Netzausbau hinterher
  • wir bauen das Netz oftmals überdimensioniert (was zu einer durchschnittlichen Auslastung von lediglich 17% geführt hat)
  • beim Einbau der intelligenten Stromzähler (Smart Meter) gehören wir mit 5% Einbauanteil zu den Schlusslichtern in Europa,
  • mit knapp 900 unterschiedlichen Verteilnertzbetreibern betreiben wir eine sehr komplexe und kostenaufwändige Struktur
  • bei den Investitionen in das Netz fehlt ein Anreizsystem zum Kostensparen

um nur einige zu nennen. Hätten wir nur die Hälfte des geplanten Netzausbaus geschafft (und nicht auch dieses Infrastrukturthema vernachlässigt), würde es die vielen Diskussionen nicht geben und der Strom könnte dorthin gelangen, wo gerade Bedarf ist (z.B. vom Norden in den Süden / Südwesten).

Dass es jetzt so viele Ansätze gibt, diese Versäumnisse zu beheben, stimme absolut zuversichtlich, so der Referent:

  • neue Regler wie intelligente Ortsnetzstationen oder der Mittelspannungslängsregler ermöglichen es, dass das vorhandene Netz mehr Strom aus Erneuerbaren Quellen aufnehmen kann
  • Netzanschlüsse können durch mehrere Stromerzeuger genutzt werden, die sich nur darauf einigen müssen, wer wann wie viel Strom einspeeist
  • der Rollout der Smart Meter wird beschleunigt
  • Pilotprojekte mit zahlreichen E-Autos zeigen, wie die intelligente Nutzung dieser Speicher das Netz stabilisieren und zuidem dazu genutzt werden können, Geld durch „Stromhandel“ zu verdienen
  • seit dem 1. Juni diesen jahres ist Energy Sharing erlaub und wird bereits praktiziert (siehe Infoveranstaltung der BLA = Bürgerenergie Landkreis Aschaffenburg am 15.7.); nicht nur überschüssiger Strom aus der PV-Anlage kann geteilt werden, nun ist es auch möglich, Strom über die eigene Wallbox zu verkaufen

Das sind nur einige der genannten Beispiele. Am wichtigsten ist es nun, alle Maßnahmen so zu koordinieren, dass diese nicht nur netzdienlich, sondern systemdienlich sind. Dieses System wird aus allen Erzeugern und Verbrauchern von Strom gebildet, oftmals wird dabei von den unterschiedichen Sektoren (Industrie, Verkehr, Stromerzeugung, Haushalte, …) bzw. Sektorenkopplung gesprochen.

Gelingt uns die Gestaltung diesen neuen flexiblen Systems, können nicht nur die Stromkoten verringert werden, für Deutschland stellt ein solches modernes Energiesystem eine sehr große Chance für eine Belebung unserer Wirtschaft dar. Deutschland besitzt auf diesem Gebiet so viel Expertise, die es clever zu nutzen gilt.

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Jetzt das Richtige tun und dranbleiben

Wir können als Deutschland nicht nichts tun, darauf weist C. Blaufelder eindringlich hin. Die technologische Entwicklung mit den kosteneffizienten Technologien wie E-Autos, Wärmepumpen, zunehmender Nutzung von KI (Künstlicher Intelligenz) wird zu einem flächendeckenden Anstieg des Stromverbrauchs führen.

Netze und das gesamt Energiesystem muss modernisiert werden, nicht überall, an einigen Stellen dringlich. Diese Maßnahmen kosten sehr viel Geld, nichts tun oder die Erneueerung des Energiesystems auszubremsen kommt am teuersten, so mehrere Studien. Auf der anderen Seite importiert Deutschland jedes Jahr für 70 Milliarden Euro fossile Energieträge Öl und Gas, teilweise werden 80 Milliarden genannt. Durch den cleveren systemdienlichen Ausbau der Erneuerbaren kann ein Großteil dieser fossilen Importe eingespart werden.

Dass wir auf einem richtigen Weg sind zeigt die Entwicklung der Gas- und Strompreise in den ersten Monaten dieses Jahres: während der Gaspreis durch den Irankrieg gestiegen ist, bleib der Strompreis konstant. Durch den mittlerweile hohen Anteil an Erneuerbarem Strom findet eine Entkopplung des Strompreises vom Gaspreis statt (s. Merit-Order-Prinzip).

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Niedrigere Strompreise sind auch für unsere Stadt von Bedeutung

Einige der Teilnehmer haben geschildert, wie sie durch die weitgehende oder auch komplette Elektrifizierung der Energieversorgung die Kosten massiv senken konnten. Für Unternehmen ist eine sichere und günstige Stromversorgung ein Standortfaktor. Die Hitzetage nehmen zu, vor allem in den sozialen Einrichtungen benötigen wir günstigen Strom für die Klimaanlagen, der Verkehr mit den E-Fahrzeugen wird emmissionsärmer und günstiger und die Wärmewende, also die Umstellung der Beheizung von Gas/Öl v.a. auf Wärmepumpe verlangt nach günstigem Strom.

Diese Beispiele zeigen auf, wie wichtig eine clever Entwicklung unserer Stromversorgung auch für die Entwicklung unserer Stadt ist.

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Tex: Dr. Christian Blaufelder

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