Zuallererst einen herzlichen Dank an unseren Förster Tobias Wallrapp, der uns in gut 2 Stunden viel Wissenswertes über unseren Wald vermittelt hat und von seiner 5 Monate alten Hündin Kaya begleitet wurde 🙂
Das Wetter hätte nicht besser sein können, die gut 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten an den verschiedenen Stationen zahlreiche Fragen, die all kompetent beantwortet werden konnten, wozu auch unsere Umweltreferenten Ottmar Neuf und Walter Klotz beigetragen haben.
Der Stadtwald erstreckt sich über 1.050 Hektar, davon sind 5% bzw. 50 Hektar stillgelegt bzw. kann sich als Naturwald ohne Eingriffe von Menschen weiterentwickeln.
Zwei Drittel unseres Waldes in Obernburg sind Laubbäume, wobei die Buche mit 43% dominiert, daneben 7% Eiche, deren Anteil auf 12% erhöht werden soll. Bei den Nadelbäumen ist der Anteil an Fichten mit 7% relativ niedrig; Fichten werden nicht mehr aktiv gefördert, andere Baumsorten wie die Douglasie oder die Lärche gewinnen an Bedeutung.
Zum großen Teil steht der Obernburger Wald auf einem feinlehmigen Boden, der Wasser besser zurückhält, geringere Teile stehen auf sandigem Boden.
Der Wald wird gezielt bewirtschaftet, pro Jahr werden ca. 8.500 Meter Holz geschlagen, dies entspricht dem Holzzuwachs, der Holzvorrat ist vergleichsweise überdurchschnittlich hoch.
Förderprogramme des Bundes sowie des Landes werden genutzt, um den Wald bestmöglich zu erhalten und gezielt auf die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen. So startet z.B. wieder ein Programm mit dem Ziel, 5.000 Biotopbäume zu kartieren, von denen in unserem Wald 10,6 pro Hektar zu finden sind. Mit diesen Informationen kann der Waldumbau optimal unterstützt werden. Vorrangig ist jedoch das Ziel den Waldtieren Lebensräume zur Verfügung zu stellen.
Neben staatlichen Förderprogrammen sind es auch private Sponsoren, die einen wichtigen Beitrag leisten.
.
Station Biotop
Bei der ersten Station, dem größten Feuchtbiotop, sind die Folgen der viel zu geringen Niederschläge deutlich zu sehen: das Biotop ist nahezu ausgetrocknet (Bild 1).
Unser Förster hat zunächst anhand einer Karte die Ausdehnung des Obernburger Waldes erläutert; diese Karte enthält aber zahlreiche weitere Informationen wie das Alter des Bestandes oder auch den Zustand der jeweiligen Waldgebiete (Bild 2).


.
Die Trockenheit bzw. der Wassermangel macht vor allem auch den Buchen zu schaffen. Viele alte Buchen sterben ab, es ist einfach nicht mehr genug Wasser vorhanden. Große Laubbäume benötigen bis zu 60 Liter Wasser pro Tag, in Trockenperioden können es bis zu 100 Liter sein.
Aktuell wird damit gerechnet, dass die Buche als unsere Hauptbaumart bis zum Ende des Jahrhunderts verschwunden sein wird. Bei geschädigten Buchen brechen große Äste ab, die Bruchstellen werden dann oftmals von Vögeln wie dem Specht und anderen Waldbewohnern genutzt, was an den charakteristischen Löchern in mehreren Buchen deutlich zu erkennen gewesen ist (Bild 6).
Eine Alternative zu unserer Buche und Bestandteil des Waldumbaus ist die Orientbuche, die deutlich besser mit den sich ändernden Klimabedingungen zurecht kommt.

.
Station Klimawald
bei der nächsten Station wurde erläutert, wie sich auf verschiedenen Flächen der „Klimawald“ entwickeln soll. Gezielt wurden 15 unterschiedliche Baumarten angepflanzt, die besser mit den immer öfteren häufigeren Trockenperioden zurechtkommen sollen. Zu diesen Baumarten gehören z.B. die Sumpfzypresse, die Erle oder die Flatterulme.
Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Bedeutung von Brombeersträuchern erläutert: diese können wirkungsvoll Jungbäume vor Frass durch Rehe schützen. Diese Sträucher zusammen mit Brennnesseln werden deshalb gerne bei Anpflanzungen gesehen.


.
Station „Eichen“ & Dilemma Sicherheit
Bei der nächsten Station ist der Förster gezielter auf die Eichen eingegangen (Bild 7). Wie bei den Buchen sind auch viele Eichen bedroht, auch wenn diese etwas resistenter gegen Trockenheit sind. Bild 8 zeigt zwei abgestorbene absterbende große Eichen, direkt gegenüber eine abgestorbene große Buche (Bild 9).



Erläutert wurde, wie wichtig es ist, den Wald beim „Umbau“ zu unterstützen. Buchen wachsen auch im Schatten und erzeugen genau diesen auch durch ein geschlossenes Laubdach. Ohne Licht aber können sich die jungen Eichen nicht entwickeln. Wird also nicht gezielt für mehr Licht gesorgt, kann das Ziel, den Eichenbestand von 7% bis auf 12% zu erhöhen, nicht erreicht werden. Mehr noch: ohne Eingriffe besteht das große Risiko, dass sich der Eichenbestand verringert.
Tobias Wallrapp und Walter Klotz (Bild 10) haben die Gefahr vor allem durch abgestorbene Buchen erläutert. Oftmals ohne Vorankündigung brechen große Äste oder ganze Baumkronen ab, was eine ernste Gefahr für Wanderer und Waldarbeiter darstellt.

Damit besteht immerzu das Dilemma, alte Bäume eigentlich stehen zu lassen und der Natur zu überlassen, andererseits aber Risiken für die Sicherheit zu minimieren, um die Verkehrssicherungspflicht zu gewährleisten, vor allem dann, wenn Wege oder Straßen gefährdet sind, die häufig genutzt werden.
An dieser Station gleich bei der Waldhausstraße, welche Teil des Limes der Römer ist, wurde die Entwicklung des Waldes zur Römerzeit besprochen. Der damalige Wald wurde großflächig durch die Römer abgeholzt, um freien Blick in die Täler zu erhalten und so anrückende Feinde frühzeitig erkennen zu können.
In unserem Wald sind viele Spuren der Römer zu finden, daneben aber auch Hügelgräber der Kelten. Zu diesen „Spuren“ gehören auch die Esskastanien, die von den Römern mit zu uns gebracht wurde.
In jüngerer Vergangenheit, bis ins 19. Jahrhundert, sind Eichen aus unserem Wald für die Herstellung von z.B. Weinfässern bzw. Fässern für den Warenverkehr wichtig gewesen. Die Eichen waren damals neben dem Sandstein eine wichtige Einnahmequelle für Obernburg.
.
Station „Fernblick“ & Trockenschäden
Am Waldrand (Bild 11) hat unsere Förster den Blick auf die „Hardt“ sowie den Bereich „Rother Busch“ gerichtet (Bild 11). In den Waldbereichen sind zahlreiche helle, gräuliche Stellen zu erkennen, die auf Bäume unter Hitze- und Trockenstress hindeuten.
Welcher Schaden tatsächlich entstanden ist, werde sich erst im Frühjahr zeigen: erst dann sei zu erkennen, welche der geschädigten Bäume wieder austreiben werden, so T. Wallrapp.
Der Stress der Bäume durch die Trockenheit ist überall dadurch zu erkennen, dass viele Bäume bereits sehr viel Laub oder auch Früchte wie die Buchecker abgeworfen hätten. Ist der Wassermangel bedrohlich, werfen die Bäume „Ballast“ ab, um sich zu erleichtern und besser durch die Trockenheit zu kommen. Durch das Abwerfen der Samen, z. Bsp. der Bucheckern, versuchen sich absterbende Bäume noch einmal zu vermehren.
Und auch hier wurde noch einmal das Thema Sicherheit und Verkehrssicherungspflicht hervorgehoben. Im Obernburger Wald stehen mittlerweile 80 Bänke, die zum Verweilen einladen. Natürlich muss gerade in diesen Bereichen für die Sicherheit gesorgt werden.
Eine Lösung zur Gewährleistung der Sicherheit kann dann darin bestehen, die Bank an eine andere, risikofreie Stelle zu versetzen.
Für alle Waldbesucher gilt hier noch der Hinweis bei Waldbesuchen immer wieder einen Blick nach oben zu werfen, um evtl. Gefährdungen zu erkennen und den Wald bei kräftigem Wind und starken Schnellfällen zu meiden.



.
Station Biotop
Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung des Waldes ist das Zurückhalten von Regenwasser, also zu verhindern, dass dieses zu schnell den Wald verlässt und bergabwärts in die Täler strömt.
Dazu wurde in den vergangenen Jahren ein Netzwerk kleiner Biotope geschaffen (Bild 15), der Aufwand dafür ist gering, die Wirkung dafür umso größer.
Interessant dabei ist ebenfalls die Erkenntnis, dass diese kleinen Biotope durchaus auch einmal austrocknen sollen. Diese Biotope halten Wasser zurück, versorgen Wildtiere und Pflanzen mit Wasser, es entstehen aber auch Parasiten oder Schädlinge. Durch ein Austrocknen wird die Entwicklung dieser Schädlinge gehemmt, wodurch sich ein gesundes Gleichgewicht in diesen Ökosystemen bildet.

.
Station Waldbewirtschaftung & CO2
An der letzten Station, einer aktuell eher dünn bewachsenen Stelle (Bild 16), wurden die Themen Waldbewirtschaftung, Waldverjüngung sowie die Bedrohung durch Treibhausgasemissionen besprochen.
An dieser Stelle soll aufgeforstet werden, wobei es darum geht, den „richtigen“ Bäumen eine Chance zu bieten. Das Blätterdach ist gut geschlossen und damit besteht das Risiko, dass z.B. junge Eichen nicht heranwachsen können (s.o.). Dazu Hat T. Wallrapp den Blick auf den Boden gerichtet (Bild 17). Zu erkennen sind viele sehr kleine Bäumchen, wir haben Eichen, Douglasien oder auch eine kleine Tanne identifiziert.
Um diesen „Sprösslingen“ eine Chance zu bieten, müssen gezielt einzelne Großbäume gefällt werden, um für mehr Licht am Boden zu sorgen.



.
Ottmar Neuf ist abschließend auf die Problematik durch Treibhausgasemissionen, allen voran durch Kohlendioxid / CO2 aus der Verbrennung von Gas, Öl, oder Kohle, eingegangen. Der Anstieg der globalen Temperatur ist menschengemacht, daran gebe es keinen Zweifel. Die zunehmenden Temperaturen in Verbindung mit sich verändernden klimatischen Bedingungen sind der Hauptgrund für den Stress der Bäume z.B. durch Wasserknappheit. Gestresste Bäume sind anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer und so verstärken sich die Bedrohungen für unsere Wälder.
Bis vor Kurzem sei der Wald in Deutschland eine CO2-Senke gewesen, hat also mehr Kohlenstoff aus dem CO2 gebunden als abgegeben. Insofern müsse alles dafür getan werden, diese Emissionen und damit auch den Stress für den Wald zu verringern.
T. Wallrapp hat darauf hingewiesen, dass der Wald im Landesdurchschnitt z.B. bedingt durch die Abholzung von geschädigten Fichtenbeständen leider zur CO2-Quelle geworden sei. Der Obernburger Wald gelte hingegen aktuell noch als eine CO2-Senke, was zeige, dass unser Wald in großen Teilen noch als relativ intakt gelten könne und natürlich auch durch die Zusammensetzung im Vorteil zu anderen Wald sei (Anteile Laub- / Nadelhölzer).
Selbst wenn der Obernburger Wald aktuell noch als CO2-Senke gilt, hat die Begehung deutlich gemacht, wie groß die Herausforderungen sind, diesen Zustand zu erhalten. Wenn schon jetzt das Aussterben der heimischen Buche zu erwarten ist, hängt alles davon ab, ob es gelingt, den Wald mit Baumarten so zu entwickeln, dass dieser bei den zunehmend höheren Temperaturen und der zunehmenden Wasserknappheit bestehen kann. Dazu gelingen hoffentlich diese Versuche mit den eher resistenten Baumarten, die Maßnahmen zur Sicherstellung des Wasserhaushaltes oder auch die gezielten Eingriffe, um die jungen Bäume mit Licht in Bodennähe zu versorgen.
Das sind gewaltige Herausforderungen und alle sind aufgerufen, dazu einen Beitrag zu leisten. Der Wald hat doch für sehr viele Menschen eine sehr große Bedeutung, insofern ist die Gesundheit unseres Waldes doch zu Recht auch ein sehr emotionales Thema.
.
Station Imbiss
Nach den vielen Eindrücken wurden wir von einem kleinen aber feinen Imbiss mit Getränken empfangen und hatten so die Gelegenheit, viele dieser interessanten Eindrücke nachwirken zu lassen.
Helga und Heidi, vielen herzlichen Dank für den Imbiss, ein wirklich gelungener Abschluss am Waldhaus.
Besonderer Dank noch einmal für unseren Förster Tobias Wallrapp, der dazu eingeladen hat, sich gerne jederzeit mit Fragen an ihn zu wenden.
Danke an Walter Klotz für seine leidenschaftliche Unterstützung und natürlich vor allem an Ottmar Neuf für die Organisation dieses tollen und lehrreichen Events. Das macht Lust auf mehr.
.
Text C. Blaufelder, Bilder C. Blaufelder, E. Rupp, S. Schmelmer
Hallo Chris ,
vielen Dank für den sehr detaillierten Bericht, so habe auch ich Teil am Waldrundgang 👍🏻