2% – der Anteil von Deutschland an den CO2-Emissionen ist doch so gering

Deutschland ist einer der Hauptversursacher für den Klimawandel weltweit. Aktuell trägt unser Land es mit weniger als 2% zum Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei. Der erste Teil wird ignoriert, der zweite Teil mit den 2% hingegen gerne in der politischen Debatte genutzt.

.

Mit diesem „2%-Argument“ wird in etwa wie folgt argumentiert:

  • die aktuellen CO2-Emissonen Deutschlands liegen bei unter 2% aller Emissionen insgesamt
  • auf Grund des geringen Beitrags unseres Landes bringt es nichts, unsere Emissionen mit großem Aufwand zu reduzieren
  • sollen diejenigen sich für das Weltklima engagieren, die am meisten emittieren
  • wir können nicht das Weltklima retten und brauchen das knappe Geld für uns selbst

Natürlich, das klingt überzeugend und attraktiv und wird deshalb immer wieder genutzt.

Nachfolgend eine Betrachtung und Bewertung dieses 2%-Arguments, der Gesamtsituation und damit eine Begründung dafür,

  1. warum wir sehr wohl für den Klimawandel eine große Verantwortung tragen und
  2. warum es wirtschaftlich ist, unsere Emissionen weiter zu reduzieren

.

Die Fakten

Aktuelle Emissionen

Das mit den 2% stimmt, wenn damit die aktuellen Emissionen gemeint sind: der Anteil Deutschlands an den weltweiten CO2-Emissionen in 2024 betrug 1,48% [Lit ourworldindata.com] und hat sich bis heute sicherlich nicht erhöht. Damit liegt Deutschland auf der Hitliste der aktuellen CO2-Emittenten auf Platz 10.

Damit stoßen 9 der insgesamt 195 Länder mehr CO2 aus als Deutschland, 184 Länder weniger. China ist aktuell mit knapp 32% der Emissionen unangefochten „an der Spitze“.

.

.

Beim CO2-Ausstoß pro Kopf (per capita) liegen wir in etwa ebenfalls in diesem Bereich, 2024 ist es Platz 11 gewesen. Im Durchschnitt hat also jeder in Deutschland lebende Mensch 6,77 Tonnen CO2 emittiert.

China hat uns jetzt „überholt“, jeder Mensch dort hat in 2024 8,66 Tonnen emittiert; Australien liegt mit knapp 14,5 Tonnen weit vorne, weil dort immer noch viel Kohle verbrannt wird. In Frankreich emittiert jeder Mensch mit knapp 4% deutlich weniger als in Deutschland, was am hohen Anteil Kernenergie liegt.

.

.

Kumulative Emissionen

Wenn hingegen gefragt wird, welches Land am meisten zum Klimawandel beiträgt, geht es um die Frage, von wem das CO2 in der Atmosphäre stammt. Damit geht es um die sog. kumulativen Emissionen, also die Menge, die seit Beginn der Aufzeichnung emittiert wurde.

Das ist deshalb relevant, weil sich CO2 in der Atmosphäre erst nach Jahrhunderten zersetzt. Somit befindet sich z.B. das 1950 von Deutschland erzeugte CO2-Molekül nach wie vor in der Atmosphäre und trägt zum Treibhauseffekt bei. 

Deutschland liegt mit 95,1 Milliarden Tonnen CO2 hier auf Platz 4 [ourworldindata.com]. Nur von USA, China und Russland gibt es mehr CO2 da oben in der Erdatmosphäre als von Deutschland. Wir sind somit einer der Hauptverursacher für den Treibhauseffekt bzw. für die Erhöhung der globalen Temperatur auf unserem Planeten.

Nach wie vor stammt das meiste CO2 in der Atmosphäre von den USA, der Anteil Chinas erhöht sich rasant; der Anteil des bevölkerungsreichsten Landes, Indien, nimmt deutlich zu, liegt aber immer noch unterhalb des Anteils von Deutschland.

.

.

Die Wirkung des Treibhauseffektes ist global. Wenn Menschen ihre Heimat z.B. in Ozeanien wegen des steigenden Meeresspiegels verlieren, dann ist es egal, woher das CO2-Molekül stammt. Somit trägt eben auch unsere CO2-Menge in der Atmosphäre zu globalen Wetterereignissen bei.

.

Direkte und indirekte Emissionen

Diese 1,46% sind die direkte Emissionen, die also aus Deutschland 2024 in die Atmosphäre gelangt sind.

Deutschland ist die drittgrößte Wirtschaftsmacht weltweit, nur USA und China haben ein höheres Bruttosozialprodukt. Der Anteil der Wirtschaftsleistung bzw. des Bruttosozialproduktes von Deutschland weltweit beträgt ca. 3%.

Dass wir in Deutschland (direkt) nur ca. 1,5% Emissionen haben, liegt daran, dass wir einen großen Teil der Vorproduktion in andere Länder ausgelagert haben. Diese Emissionen erfolgen also an unseren Produktionsstätten irgendwo in der Welt.

Würden diese indirekten Emissionen (orientiert an der Wirtschaftsleistung) aus unseren Zulieferländern hinzugezählt, wäre unser Anteil deutlich höher als diese knapp 1,5%, möglicherweise eher bei 3%.

.

Die Moral & die Entscheidung

Fakt ist, dass wir als Deutschland zu den Hauptverursachern des Klimawandels gehören, relevant sind diesbezüglich die kumulativen Emissionen.

Ist es nicht eine Frage der Moral, Verantwortung für den Beitrag zum Klimawandel zu übernehmen?

Gelebte Verantwortung kann z.B. bedeuten, den Weg der Energiewende energisch weiterzuverfolgen und gleichzeitg als Land davon zu profitieren (s.u.).

Jeder Einzelne und auch das Land als Ganzes muss oder sollte sich entscheiden, eine der beiden Positionen zu wählen:

  • die der Verantwortung („als einer der Hauptverursacher, wollen wir …“)
  • die des Egoismus („die historischen Emissionen sind für mich nicht relevant“)

.

Sicht des Verfassers

Unschwer zu erraten, aus Sicht des Verfassers ist nur die „Position Verantwortung“ vertretbar.

Diese bildet die tatsächliche Situation bzgl. Verantwortlichkeit für den Klimawandel ab.

Mit der Umsetzung der Verantwortung kann eine Win-Win-Situation wie folgt realisiert werden:

  • Deutschland ist einer der Hauptverursacher für den Klimawandel; die Heimat von vielen Millionen Menschen ist durch Extremwetterereignisse sowie den steigenden Meeresspiegel massiv bedroht; entstehende Ressourcenengpässe führen sehr wahrscheinlich zu steigenden Migrationen
  • Deutschland hat mit der Entwicklung der Solarwirtschaft maßgeblich zum weltweiten Boom der Solarenergie beigetragen, auch wenn heute durch den Ausstieg Deutschlands unter Kanzlerin Merkel China die Branche dominiert; mit der Technologie aus Deutschland gelingt es in immer mehr Länder, die CO2-Emissionen zu verringern
  • Deutschland kann erneut eine weltweit führende Position bei der Gestaltung eines Energiesystems auf der Basis Erneuerbarer Energien erlangen; ein solches System ist dezentral organisiert, damit komplex und verlangt nach modernen Produkten sowie Systemleistungen; damit verbunden ist erneut wertvolles Know-how, welches neben den nationalen wirtschaftlichen Impulsen ein Exportschlager werden kann; Deutschland ist technologisch noch in vielen Bereichen unter den führenden Nationen, was z.B. anhand der Patente abgelesen werden kann; daraus kann ein Wirtschaftswachstum resultieren
  • Wenn Deutschland demonstriert, dass die Energiewende ohne fossile Energieträger wie Gas, Öl oder Kohle realisierbar ist, folgen andere Länder, damit verstärkt sich die Bewegung hin zu einem nachhaltigen Energiesystem weltweit, von der Deutschland schließlich profitiert 

.

Wie realisieren, ohne unser Land zu sehr zu belasten?

Diese Frage hier zu beantworten, würde zu weit führen. Hierzu sei auf die 5-teilige Serie „Hohe Strompreise – was dagegen tun“ verwiesen. Hier der Link zu Teil 5 mit den Links zu den Teilen 1 – 4.

Bei Fragen, jederzeit gerne melden.

.

Text: Dr. Christian Blaufelder