Windkraft im Wald – Besuch beim netzwerkPROheimat

Der nachfolgende Bericht ist so bei Meine-News am 15.02.2026 erschienen und spiegelt die persönliche Meinung des Authors wieder.

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Es geht um die Veranstaltung des netzwerkPROheimat am 10.02.2026 in Sommerau zu geplanten Windkraftanlagen (WKA) im Spessart.

Aus mehreren Gründen sind WKA attraktiv: sie ermöglichen eine preisgünstige lokale und klimaneutrale Stromerzeugung, ergänzen sich jahreszeitlich bedingt optimal mit Photovoltaik, sind eine relativ einfache Technologie, die kurzfristig zur Verfügung steht und daher unmittelbar dem Treibhauseffekt entgegenwirkt.

Auch ich liebe unseren Wald, unsere Natur, die Tierwelt. Ich möchte diese erhalten und engagiere mich gegen die Hauptursachen einer Beeinträchtigung der Natur um uns herum. Mir geht es dabei nicht nur um den Spessart, sondern auch um den Odenwald, die Rhön, den Taunus, die Hecken, die Wiesen usw..

Die Veranstaltung

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, mehrere Bürgerinitiativen haben sich vorgestellt, darunter auch welche aus Hessen. Gute Netzwerkarbeit, sicherlich.

Dass es bei dieser öffentlichen Info-Veranstaltung ein Foto-Verbot gab, ist irritierend und habe ich so noch nicht erlebt. Was kann es zu verheimlichen geben? Im Nachhinein betrachtet kann nur der Vortrag des eingeladenen Referenten Dipl.-Ing. (FH) Kress der Grund gewesen sein, eine ganze Reihe seiner Aussagen halten einer seriösen Betrachtung nicht stand (dazu später mehr).

Beitrag 1

Der erste Beitrag der Geschwister Domdey hatte beeindruckt, das leidenschaftliche Engagement für den Spessart erschien authentisch. Viele Informationen und Bilder haben die Empfindlichkeit oder Verletzlichkeit dieses Ökosystems gezeigt und deutlich gemacht, dass unnötige Eingriffe unterbleiben müssen.

Schade allerdings, wenn festgestellt wird, der Spessart „ist noch resilient gegen Klimastress“, ohne auf diesen Klimastress einzugehen. Bei meiner Frage nach Maßnahmen zum Erhalt dieses wertvollen Ökosystems wurde nur der Waldumbau genannt, nicht aber vor allem alles zu versuchen, die Ursachen für diesen Klimastress abzumildern, damit diese Hauptursache für die Schädigung des gesamten Waldes zu bekämpfen.

Schade auch, wenn das furchtbare Artensterben mit den WKA in Verbindung gebracht wird, ohne die eigentlich wesentlichen Ursachen für das Artensterben ebenfalls zu benennen. Wie z.B. unser Umgang mit Land und Wasser allgemein, die Intensivierung der Landwirtschaft, der Klimawandel oder die Umweltverschmutzung. Der Beitrag von WKA ist hier in der Regel gering.

Andere, teilweise wesentlichere Ursachen für die Bedrohung unseres Lebensraumes wurden bedauerlicherweise im Vortrag nicht beleuchtet: Die größte Gefahr für eine drohende Zerstörung des Waldes insgesamt ist der menschengemachte Klimawandel. Treffen die Berechnungen der DPG / DMG (Deutsche Physikalische / Metereologische Gesellschaft, Sept. 2025) zu, sind wir hier bei uns in 2050 mit einer Temperaturerhöhung von +5°C konfrontiert (das Doppelte der Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur). Durch die damit verbundenen Extremwetterereignisse wie Hitze- und Dürreperioden, wird es den Wald oder die Landwirtschaft, wie wir sie kennen, nicht mehr geben. Das alles ist Fam. Domdey sicher bekannt, leider gab es dazu keine Stellungnahme, was wohl in diesem Rahmen nicht opportun gewesen wäre.

Der Klimawandel wird alles um uns herum massiv beeinträchtigen und sorgt ja auch dafür, dass sich bei uns hochgefährliche Tierarten ausbreiten, die wir lieber nicht hier haben wollen. Ein Beispiel ist die Tigermücke, darüber hätte Fr. Dr. Domdey viel erzählen können.

Überrascht hat es mich nicht, dass bei dieser Veranstaltung ein Bekannter von mir mit der Aussage konfrontiert wurde, dass es keinen (menschengemachten) Klimawandel gebe. Diese Meinung habe ich bereits bei der Veranstaltung am 2.2.26 in Eichelsbach gehört („die CO2-Erhöhung sei eine Folge einer natürlichen Temperaturerhöhung“).

Dieser Glaube ist bequem: wir können nichts für diese globale Temperaturerhöhung, können diese nicht beeinflussen, also können wir wie gewohnt weitermachen, weiter mit Gas oder Öl heizen, weiter unsere Verbrenner fahren, also müssen die WKA verhindert werden. Gratulation!

Beitrag 2

Mit den Bildern aus dem Wald und den Waldtieren emotional vorbereitet, hat anschließend der Experte Dipl.-Ing. (FH) Kress darzulegen versucht, dass die WKA Sülzert unwirtschaftlich sind, dass deren Wirtschaftlichkeit schöngerechnet ist, dass „die da oben“ die Wahrheit nicht hören wollen, dass es „denen“ nicht in den Kram passt, dass sich die Kommunen über den Tisch ziehen lassen und dass später oftmals das böse Erwachen bis hin zur Privatinsolvenz kommt.

In Deutschland gibt es mittlerweile ca. 30.000 WKA und sicherlich gibt es Fälle, die wegen zu geringer Windgeschwindigkeit nicht hätten gebaut werden sollen. WKA, die nicht wirtschaftlich sind, dürfen nicht gebaut werden, das unterstütze ich vollkommen, eine andere Einstellung als Abteilungsleiter Technik eines großen Chemieunternehmens könnte ich mir auch nicht leisten.

Dass der Experte aber einen ganzen Berufsstand und den Nutzern der WKA derart in Verruf bringt, ist völlig unprofessionell und der Ingenieurszunft nicht würdig.

Der Experte kann sicher zur Situation in Sülzert viel beitragen, mit vielen Excel-Tabellen kann jedenfalls ein solcher Eindruck vermittelt werden.

Im letzten Teil seiner Ausführungen hat er die meines Erachtens wichtigste Frage des Abends diskutiert: gibt es Alternativen zu WKA (im Wald). Hierbei hat er leider einen blamablen Eindruck hinterlassen. Von einem Vertreter meiner Zunft der Ingenieure erwarte ich nicht die willkürliche Auflistung von 12 völlig unterschiedlichen technologischen und regulatorischen Maßnahmen, ich erwarte ein in sich schlüssiges und wirtschaftlich machbares Gesamtkonzept.

Ging es bei den Ausführungen zu den WKA Sülzert Hr. Kress vor allem um die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen, hat diese Wirtschaftlichkeit bei der Auflistung seiner Alternativen keine Bedeutung mehr gehabt: Um einige Punkte zu nennen:

  • Bau von Elektrolyseuren: diese erzeugen mit Strom Wasserstoff (H2); können diese Elektrolyseure nicht zu einem großen Anteil gleichbleibend betrieben werden, ist diese Technologie unwirtschaftlich, das Produkt H2 sehr teuer
  • Klimaneutraler Betrieb von Gasheizungen: Hr. Kress sollte wissen, dass H2 für Heizzwecke oder für den Mobilitätsbereich viel zu teuer und damit völlig unwirtschaftlich ist
  • Grundlastfähige Kraftwerke: Kernkraftwerke wurden erwähnt, wobei jeder heute wissen sollte, dass diese die für uns teuerste Art der Stromerzeugung ist (Fraunhofer 2024); Kernenergie wird ja oft als Lösung genannt, die Kraftwerke sollen dann immer möglichst weit entfernt stehen, das Sankt-Florians-Prinzip lässt grüßen; für die Verteilung in den Regionen werden dann Umspannwerke benötigt, gegen diese sich wiederum sofort eine Bürgerinitiative gründet; vielleicht um diese Misere zu vermeiden hat der Experte dann Gezeitenkraftwerke als Alternative zur lokalen Stromerzeugung im Spessart genannt; ohne Worte
  • Power 2 Fuel (e-Fuels): jeder der nur kurz recherchiert, wird schnell feststellen, dass es diese Kraftstoffe nur in sehr geringen Mengen und nur zu einem hohen Preis geben wird; ich kann nur jeden raten, sich schon mal von der mittlerweile veralteten Verbrenner-Technologie zu verabschieden, E-Autos werden wesentlich günstiger sein
  • Gasleitungen weiter nutzen, also weiter mit Gas heizen und dafür Hochspannungsleitungen einzusparen: weiterhin Gas zu verbrennen erhöht die CO2-Emissionen und ist ein Sargnagel für den Spessart insgesamt

Mein Fazit zum Experten Kress: Stimmung machen ist gelungen, Spitzen gegen e-Mobilität haben für sichere Lacher gesorgt. Eine brauchbare Antwort auf die Frage zu WKA-Alternativen wurde nicht gegeben. Einen solchen Vortrag vor einem Fachpublikum sollte Hr. Kress in seinem eigenen Interesse unterbleiben lassen.

Zudem rate ich Herrn Kress, die aktuelle Situation in Bezug auf die Offshore-Windenergie (WKA im Meer / der Nordsee) zu verfolgen. Dazu hatte Hr. Kress geäußert, dass es keine oder kaum mehr neue Anlagen mangels Wirtschaftlichkeit gebe. Es ist eher das Gegenteil der Fall: Ende Januar 2026 fand der sog. Nordseegipfel statt, bei dem alle Nordsee-Anrainerstaaten beschlossen haben, die Offshore-Windenergie massiv auszubauen. Bis 2050 sollen bis zu 100 GW Windenergie in der Nordsee durch grenzüberschreitende Offshore-Projekte entstehen.

Diskussion

Der Hinweis von Hr. Domday ist korrekt, wonach der Stromverbrauch der dt. Haushalte in den letzten Jahren leicht gesunken ist. Das allerdings wird sich ändern, denn es gibt neben dem ökologischen Faktor keine wirtschaftliche Alternative zu E-Autos sowie zu Wärmepumpen. Deren Anteil wird sich wegen der wirtschaftlichen Vorteile von Jahr zu Jahr erhöhen, damit der Bedarf an grünem Strom. Ohne ausreichende Versorgung mit Strom sehe ich die Zukunft der Spessart-Gemeinden als düster an.

Die Ausweisung eines Biosphärenreservates im Spessart wäre echter Schutz dieser kleinen Fläche Naturwald (3%); dass dieses hier im Spessart verhindert wurde zeigt, worum es wirklich geht: nicht um den Schutz des Waldes, sondern ums Geschäft: „niemand redet uns Waldbauern ins Handwerk“, so die Antwort aus dem Plenum.

Wenn es dem Netzwerk um die Heimat ginge, würde man sich fragen, was diese am meisten bedroht und dann versuchen, dagegen Maßnahmen zu ergreifen. Jeder kann sein Handy nutzen und fragen, was die Hauptursachen für das Waldsterben, für das Artensterben, für den Schwund an Vogelarten ist. Bei keiner der dann erhaltenen Antworten werden WKA dabei sein. Zu lesen sind dann Klimawandel, Hitze- / Dürreperioden, ungeeignete Forstwirtschaft, Beeinträchtigung des Immunsystems der Bäume, Intensivierung der Landwirtschaft etc..

Es ist leider kein netzwerk-PRO-heimat sondern nur ein netzwerk-GEGEN-wka. Wir können die Heimat als Ganzes schützen, aber nur, wenn wir uns auf die Hauptursachen für deren Bedrohung konzentrieren.

Meine persönliche Position: so wenig WKA wie möglich, so viel wie nötig. Und: wer WKA ablehnt muss daher die Frage beantworten, wie dieser Strom anderweitig lokal verfügbar sein soll.

Text & Bild: C. Blaufelder

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