Wärmewende in Obernburg-Eisenbach – mit neuen Technologien klimaneutral heizen

So der Titel unserer gelungenen Info-Veranstaltung im Bürgerhaus Obernburg am 23.02.2026 mit 25 Teilnehmern, darunter einige Experten, was sich bei den fundierten Fragen und der anschließenden Diskussion gezeigt hat.

Ein weiterer Untertitel verdeutlicht die Zielsetzung dieser Veranstaltung: Neue Technologien clever kombinieren

Bei den ersten drei Beiträgen von W. Haase, O. Neuf und M. Herrmann standen technologische Gesamtkonzepte für kommunale Einrichtungen (W. Haase), die Wärmepumpe als wichtiger Baustein für klimaneutrales Heizen (O. Neuf) sowie moderne kostenreduzierende Automatisierungstechnik für Bestandshäuser sowie Neubauten (M. Herrmann) im Vordergrund.

Abschließend wurde die Bedeutung von Bürgerenergiegesellschaften für Projekte zur Wärmewende erläutert (C. Blaufelder).

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W. Haase vom Ingenieurbüro Haase & Bey in Karlstadt zeigte mit großer Leidenschaft anhand von Beispielen auf, wie Erneuerbare Energien clever eingesetzt und kombiniert werden können, um kommunale Einrichtungen wie Schulen, Schwimmbäder oder ganze Quartiere klimaneutral und kosteneffizient mit Wärme versorgen zu können.

Dabei wurden selbst eher exotische Technologien wie Eisspeicher erwähnt, die unter bestimmten Bedingungen eine wertvolle Energiequelle sein können, indem die freiwerdenden Energiemengen beim Phasenwechsel von flüssig nach fest und umgekehrt genutzt werden können.

Eindrucksvoll die gezeigten Beispiele von Niedrigenergiehäusern, die clever geplant mit wenigen hundert € Heizkosten pro Jahr auskommen. Wichtig immer die Kombination der unterschiedlichen Technologien, die sich in jeder Stadt unterschiedlich gestaltet. Bedingt durch die massiv gefallenen Kosten für Stromspeicher und PV-Anlagen, sei die situationsgerechte Kombination von Sonne, Wind und Speicher in vielen Fällen die wirtschaftlichste Lösung.

Leider auch eindrucksvoll der Vergleich von Deutschland mit Schweden, wenn es um den Einbau einer Wärmepumpe geht. Leider, denn in Deutschland ist der Prozess aufwändig und teuer, während es in Schweden auf Grund staatlicher Maßnahmen nur wenige Tage dauert, bis die Wärmepumpe installiert ist. Einen Papierkrieg gibt es dort nicht und die Kosten der Wärmepumpe können mit der Steuer verrechnet werden.

O. Neuf ist anschließend auf die Wärmepumpe in den unterschiedlichsten Anwendungen eingegangen. Mittlerweile gebe es für alle Situationen geeignete Aggregate, sowohl in Bezug auf die Leistung, der Bauform (z.B. in Kombination mit geeigneten Ventilatorkonvektoren für Altbauten) oder auch in Bezug auf den Geräuschpegel. So gebe es mittlerweile kaum mehr wahrnehmbare Wärmepumpen mit einem Lärmpegel von 25 dB.

Auf der Basis von überschlägigen Berechnungen wurde durch O. Neuf aufgezeigt, wie unsere Flüsse Main und Mömling als Wärmequellen genutzt werden können, um mit den sogenannten Flusswasser- oder Klarwasser-Wärmepumpen Quartiere wie z.B. die Altstadt von Obernburg oder ein Neubaugebiet in Eisenbach mit Wärme versorgen zu können.

Beim dritten Beitrag hat M. Herrmann aufgezeigt, wie mit smarten Thermostaten auch in bestehenden Gebäuden Energiekosten verringert werden können. Der Aufwand für die Installation sowie die Kosten sind oftmals gering, um die Thermostate über eine geeignete App steuern und dem eigenen Tagesablauf optimal bzw. bequem anpassen zu können. Durch die gestellten Fragen aus dem Auditorium hat sich gezeigt, dass diese Technologien durchaus zunehmend eingesetzt werden sowie der Einsatz geplant ist.

Beim zweiten Teil des Vortrages hat M. Herrmann die vielfältigen Möglichkeiten des „Smart Home“ aufgezeigt. Wenn bei einem Neubau oder einer umfassenden Sanierung die Vorkehrungen für moderne Technologie in Gebäuden gelegt werden, lässt sich der durch PV gewonnene Strom so für die vorhandenen Verbraucher wie Autobatterie, Wärmepumpe oder die Geschirrspülmaschine einsetzen, um die Gesamtkosten zu minimieren. Werden zudem dynamische Stromtarife genutzt, wird auch der zusätzlich benötigte Strom nur dann eingekauft, wenn die Preis an der Börse gering ist und für den späteren Verbrauch in der Speicherbatterie (zwischen-) gelagert.

Beim letzten Beitrag hat C. Blaufelder aufgezeigt, wie wichtig die in der Bürgerschaft vorhandene Expertise ist, um auch komplexe Projekte gemeinsam zu realisieren.

In Deutschland gebe es ca. 1.000 Bürgerenergiegenossenschaften, daneben anderen Bürgerenergie-gesellschaften als GmbH & Co. KG oder als UG & Co. KG. Solche Beteiligungen erlauben eine Beteiligung für Projekte wie einen Bürgerwindpark (Bsp. Arnstein-Binsfeld) oder eine Bürgersolaranlage (Bsp. Mömlingen).

Gelingt es der Stadt, der Kommune, Bürgerinnen und Bürger über solche Konzepte zum Mitwirken zu begeistern, können die oftmals herausfordernden Projekte wie erwünscht umgesetzt werden. Denn natürlich sei es der entscheidende Unterschied, ob etwas „von oben“ verordnet werde oder ob die Betroffenen mitwirken und mitgestalte könnten, so C. Blaufelder.

Da es mittleiweile sehr viele solche Bürgerenergiegesellschaften gibt, muss das Rad für Obernburg-Eisenbach nicht neu erfunden werden, weil von den sicher in der Nähe liegenden bereits realisierten Projekten gelernt werden kann.

Ausblick

Die Bestands- und Potenzialanalyse für unsere Stadt liegen seit Ende 2025 vor, aktuell wird vom beauftragten Ingenierbüro „energielenker“ an möglichen Strategien und Steckbriefen gearbeitet. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im April vorgestellt. Unsere Stadt mit weniger als 10.000 Einwohner muss einen konkreten Maßnahmenplan Mitte 2028 vorlegen. Damit verbleibt nicht mehr viel Zeit, um die ersten Überlegungen zu konkretisieren und einen realisierbaren Maßnahmenplan zu erarbeiten.

Ist der neue Stadtrat sowie die neue Bürgermeisterin / der neue Bürgermeister gewählt, vergehen viele Monate, bis sich die neue Stadtführung gefunden hat und die Prioritäten für die anstehenden Maßnahmen diskutiert werden.

Die Versuchung ist groß, Maßnahmen zur Wärmewende nur mit geringer Priorität zu betrachten und erst einmal zu verschieben, wirken sich die Folgen des menschengemachten Klimawandels doch erst ein einigen Jahren so richtig aus.

Damit soll noch einmal die Zielsetzung dieser Info-Veranstaltung wiederholt werden: sicher, die Umstellung auf klimaneutrales Heizen ist ein dickes Brett, welches zu bohren gilt. Moderne Technologien erlauben es allerdings, clevere, wirtschaftlich machbare Konzepte zu erstellen. Wenn es zudem gelingt, die in der Bürgerschaft zweifellos vorhandene Motivation einzubinden, wird es gelingen, den weiteren Ausstoß von schädlichem CO2 zu minimieren.

Text & Bilder: C. Blaufelder

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