Teil 4: Steuern & Abgaben
In diesem Teil 4 der Reihe mit fünf Beiträgen zu den Strompreisen geht es um die Steuern & Abgaben als dritten Kostenbestandteil neben Erzeugung und Verteilung.
Teil 1 hat die Strompreise Deutschlands im Vergleich, deren Entwicklung und Abhängigkeit vom Gaspreise erläutert [1].
Teil2 hat die Kosten der Stromerzeugung beschrieben [2].
Teil 3 hat die Kosten hinter den Netzentgelten erläutert [3].
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Was und wie hoch sind diese Steuern und Abgaben
Bild 2 zeigt die Bestandteile der Steuern & Abgaben (S&A), die in 2026 rund 34% des Strompreises der Haushalte bestimmen [4,5].

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Mehrwertsteuer
Sie wird auf alle Preisbestandteile erhoben, beträgt in Deutschland aktuell 19% und ist immerhin mit 16% wichtiger Teil des Strompreises insgesamt.
Die sonstigen Steuern, Abgaben und Umlagen machen 17,9% des Strompreises aus.
Stromsteuer
Die Stromsteuer ist eine bundesweit einheitliche Verbrauchsteuer auf elektrische Energie und beträgt in 2026 unverändert 2,05 ct/kWh. Die Erhebung erfolgt über den Stromversorger, der die Steuer an den Staat abführt.
Konzessionsabgabe
Die Konzessionsabgabe ist eine kommunale Abgabe, variiert je nach Gemeindegröße, private Haushalte zahlen typischerweise zwischen 1,3 und 2,4 ct/kWh, im Durchschnitt 1,67 ct/kWh.
KWK-G-Umlage
Die gesetzlich festgelegten Förderzuschläge für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen steigt in 2026 deutlich von 0,277 auf 0,446 ct/kWh. Hauptursache ist eine gezielt höhere Förderung dieser Anlagen sowie gestiegene Energiepreise, die den Finanzierungsbedarf erhöhen.
Aufschlag f. besondere Netznutzung
Der Aufschlag für besondere Netznutzung (ehemals § 19 StromNEV-Umlage) dient der Entlastung stromintensiver Unternehmen von Netzentgelten. 2026 bleibt dieser Bestandteil mit 1,56 ct/kWh nahezu stabil.
Offshore-Netzumlage (§ 17 ENWG)
Die Offshore-Netzumlage deckt Kosten für Störungen, Verzögerungen sowie Bau und Betrieb von Offshore-Netzanbindungen, ist von 2025 auf 2026 um ca. 15% gestiegen und beträgt aktuell 0,94 ct/kWh.
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Wofür und wie beeinflussbar sind die Steuern & Abgaben
Steuern = Stromsteuer, Mehrwertsteuer (19%)
Beides sind staatliche Einnahmen, die keine direkte Zweckbindung haben. Die Stromsteuer z.B. dient aktuell primär der Finanzierung der Rentenkasse. Anstatt die Rentenkasse zu unterstützen könnten die Gelder z.B. also auch für das Bildungssystem, zur Sanierung der Schulen verwendet werden.
Abgaben = Konzessionsabgabe
Diese müssen Stromanbieter an Städte und Gemeinden zahlen, damit sie Straßen und Wege für die Stromleitungen nutzen dürfen.
Diese Kosten sind kaum veränderbar; der Ausbau der Netze, die Installation von Umspannwerken etc. erfolgt immer auch auf „Hoheitsgebieten“ der Städten und Gemeinden. Die Einnahmen aus der Abgabe sind wichtig für deren Finanzhaushalt, eine Verringerung würden Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Energiesystems massiv beeinträchtigen.
Umlagen = KWK, Offshore, § 19-StromNEV
Bei Umlagen handelt es sich um Kosten oder Entlastungen, die auf alle Haushalte und Verbraucher umverteilt werden. Den Bezeichnungen entsprechend:
- Förderung energieeffizienter Arten der Stromerzeugung wie KWK-Anlagen oder Offshore-Windanlagen
- Entlastung energieintensive Unternehmen (§19 Umlage).
Diese Kosten sind zwar – nicht wie die Steuern – zweckgebunden, aber es dann doch eine energiepolitische Entscheidung, ob gefördert oder entlastet werden soll.
Fazit: Abgaben und Umlagen sind zweckgebunden, der Spielraum ist begrenzt; nicht so die Steuern, weshalb diese aktuell diskutiert werden (s.u. Stromsteuer) und bei denen die Regierung hier kurzfristigen Handlungsspielraum hat.
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Wie haben sich die Steuern & Abgaben entwickelt
Bild 1 zeigt die Entwicklung der Kosten für die Stromerzeugung, der Netzentgelte sowie der Steuern & Abgaben in den letzten 10 Jahren [6].

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Während die Strompreise insgesamt in den letzten 10 Jahre um 22% gestiegen sind, ist der Anteil der Steuern & Abgaben über diesen Zeitraum um 22% gefallen. Relevante Maßnahmen waren z.B. die entfallene Finanzierung der EEG-Umlage über den Strompreis seit 2022 oder die Entlastung bei den Netzentgelten ab 2026 [1].
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Wie hoch sind Steuern & Abgaben im Europa-Vergleich
Bild 3 zeigt die unterschiedlichen Anteile der S&A in ct/kWh am Strompreis beim Europa-Vergleich für 2025 [7].

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Die Unterschiede zwischen den Ländern sind erheblich: Dänemark weist 2025 mit 47,7 % weiterhin den höchsten Steueranteil in Europa auf, in Deutschland liegt dieser in 2026 bei knapp 34% [4].
Einige Staaten weisen negative Steueranteile auf – also eine effektive Stromsubvention statt Belastung. Besonders stark fallen diese Effekte in den Niederlanden und Österreich aus, wo der Strompreis durch staatliche Eingriffe zeitweise unter den reinen Beschaffungskosten lag.
Der durchschnittliche Mehrwertsteuersatz auf Strom beträgt in der EU rund 15 % (in D 19%) und reicht – wie bereits im Vorjahr – von 4,8 % in Malta bis 21,3 % in Ungarn [7].
Fazit: der Strompreis hat in den Ländern eine sehr unterschiedliche Bedeutung, die Steuern & Abgaben fallen mit 48% sehr hoch aus oder werden überhaupt nicht erhoben. Das bedeutet auch, dass es hier relevante Gestaltungsmöglichkeiten gibt.
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Die Bedeutung der Steuern & Abgaben für den Staatshaushalt
Wie bereits erwähnt sind die Steuern & Abgaben in den letzten 10 Jahren zwar leicht gesunken, die Einnahmen für Bund, Länder und Gemeinden sind dennoch beträchtlich und deshalb sehr wichtig. Das nachfolgende Bild 4 zeigt die Einnahmen bei der Stromsteuer für 2020 und 2021 [10].

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Die Einnahmen aus der Stromsteuer für 2026 werden auf 7 Milliarden € geschätzt [11] und bleiben damit auf dem Niveau der vergangenen Jahre (sofern es keine steuersenkenden Maßnahmen gibt).
7 Milliarden € z.B. bei der Stromsteuer alleine ist sehr relevant; bei einer Streichung oder deutlichen Absenkung der Steuern & Abgaben entstünden relevante Löcher in den Budgets von Bund, Länder und Gemeinden.
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Wie subventioniert Deutschland bei den Stromkosten
Die Strompreise werden bereits seit vielen Jahren subventioniert. Für 2026 plant die Regierung Mittel in Höhe von 29,5 Milliarden Euro, um die Stromkosten für Haushalte und Wirtschaft zu stabilisieren (Bild 5). Zum Vergleich: Im Jahr 2020 lagen diese Ausgaben noch bei lediglich 4,1 Milliarden Euro [6].

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Industriestrompreis
Das Ziel der Regierung, in 2026 einen Industriestrompreis einzuführen, wurde bereits erreicht. Mitte April hat die EU-Kommission den deutschen Industriestrompreis von 5 ct/kWh rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 genehmigt, der vor allem den energieintensiven Branchen wie Stahl-, Zement- und Chemieindustrie helfen soll, eine wettbewerbsfähige Produktion in Deutschland zu erhalten [12]. Die dadurch bedingten Subventionen in Höhe von insgesamt 3,8 Milliarden € sind für die Jahre 2026 – 2028 genehmigt, damit im Mittel 1,3 Milliarden pro Jahr (vergleiche Bild 5 mit 1,5 Milliarden für 2026).
ACHTUNG: dieser Industriestrompreis bewirkt sicherlich eine gewisse Entlastung der Unternehmen im globalen Wettbewerb. Aus Sicht des Autors verschafft diese Subvention aber allenfalls eine geringe und zeitlich begrenzte Atempause, weil in den sonnenreichen Ländern („sunpower states“) mittlerweile Grundlast-Strompreise von 1-2 ct/kWh angeboten werden [13]. Grund dafür sind die drastisch gesunkenen Kosten für Photovoltaik und Batteriespeicher. Dadurch bleiben stromintensive Unternehmen in Deutschland weiterhin unter Druck.
Deshalb sind auch nicht alle Branchen mit diesem Ergebnis zum Industriestrompreis zufrieden: die Chemie zeigt sich enttäuscht, ist doch mit der Inanspruchnahme viel administrativer Aufwand verbunden und am Ende komme aus Sicht des Verbandes wenig bei den Unternehmen an. Erste Abschätzungen deuten darauf hin, dass es für die Chemie nur eine Entlastung von unter 10% bei den Strombezugskosten bedeutet [14].
Stromsteuer
Aktuell viel diskutiert wird zudem die Streichung oder signifikante Verringerung der Stromsteuer. Bei einer kompletten Streichung bedeutet das eine Strompreisverringerung um 2,3 ct/kWh für Haushalte (2,05 ct + MwSt) und 2,4 ct/kWh für die Industrie. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh würde die Entlastung demnach 81 € pro Jahr betragen [11, 15].
Gegenstand der Diskussion um die Stromsteuer ist die berechtigte Frage einer pauschalen Absenkung, die also damit z.B. auch für Solarstudios gelten würde.
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Gegenfinanzierung: klimaschädliche Subventionen streichen
Entlastungen beim Strompreis heißen alle willkommen, die dafür erforderlichen Subventionen bedeuten aber eine relevante Belastung an anderer Stelle. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie diese Maßnahmen gegenfinanziert werden können.
Die Summe an Subventionen in Deutschland ist sehr hoch: ältere Erhebungen gehen von deutlich über 60 Milliarden € aus [16], aktueller Zahlen von über 80 Milliarden € [17].
Zur Gegenfinanzierung wäre es – auch aus Sicht des Autors – sinnvoll, klimaschädliche Subventionen zu streichen.
Unsere Regierung plant 9 – 15 Milliarden zusätzliche Subventionen, die mehr oder weniger klimaschädliche sind. Diese Summe entspricht in etwa den geplanten jährlichen Mitteln aus dem Sondervermögen für Investitionen aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) in Höhe von 10 Milliarden Euro. Daher der passende Titel „Nullsumme fürs Klima: Neue klimaschädliche Subventionen so hoch wie Investitionen“ [18, 19].
Der Großteil der neuen Subventionen und klimaschädlichen Anreize entfalle dabei nach Bild 6 auf den Energiesektor mit 5,9 bis 9,8 Milliarden Euro sowie auf den Verkehrsbereich mit rund 1,9 Milliarden Euro [17].

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Luftverkehrs- / Kerosinsteuer: mit welcher Begründung soll das äußerst klimaschädliche Fliegen subventioniert werden; wenn Dienstreisen teurer werden, werden wieder verstärkt Meetings online abgehalten (s. Corona); der private Flug in den Urlaub sei jedem gegönnt, doch diesen zu subventionieren, ist angesichts der Finanzprobleme nicht nachvollziehbar.
Pendlerpauschale: natürlich sind viele Menschen auf das Pendeln angewiesen, dennoch sollte der klimaschädliche Verkehr mit Verbrenner-Fahrzeugen nicht auch noch mit der Gießkanne subventioniert werden, also auch für diejenigen Pendler, die eine Unterstützung nicht nötig haben; sinnvoller wäre ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, den Umstieg auf E-Mobilität zu fördern oder z.B. die gezielte Unterstützung bedürftiger Familien.
Gaskraftwerke: Wir brauchen einige Gaskraftwerke als Reserve für längere Dunkelflauten; die von der EU-Kommission genehmigten 10 GW (+ 2 GW technologieoffen) markieren aus Sicht des Autors die Obergrenze. Das BMWE unter K. Reiche versucht allerdings mit 20 GW so viele zu bauen, die in dieser Anzahl oder Kapazität nicht benötigt werden. Diese Gas-Reserve-Kraftwerke sind sehr teuer, Kosten von 67 ct/ kWh werden geschätzt [20], wofür es ab 2031 eine neue, den Strompreis erhöhende Umlage geben soll. Sollen Haushalte und Industrie entlastet werden, muss diese Anzahl an Gaskraftwerken minimal gehalten werden.
Dienstwagenprivileg: Seit längerem ein Thema: mit welchem Argument sollen weiterhin Dienstwagen subventioniert werden; einerseits steht es jedem Unternehmen frei, Mitarbeitern diesen Bonus zu gönnen, andererseits gehören die Besitzer von Dienstwagen nicht zu Bevölkerungsgruppe, die finanziell aus Steuergeldern subventioniert werden sollte.
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Zusammenfassung und Fazit
Die Höhe der Steuern & Abgaben haben sich in den letzte Jahren zwar um 22% verringert, dennoch sind die Belastungen für die Haushalte und Industrie über den Strompreis immer noch beträchtlich.
Sinkende Steuern & Abgaben sind positiv zu betrachten, verringert sich doch dadurch der Strompreis und unterstützt so die Elektrifizierung beim Verkehr, der Beheizung (Wärmepumpen werden noch günstiger gegenüber Gasheizungen) oder eben der stromintensiven Industriebranchen wie Stahl, Zement oder Chemie.
Erste Maßnahmen in 2026 zur weiteren Entlastung wurden bereits umgesetzt, weitere sind in Diskussion. Der Industriestrompreis wurde wie für 2026 geplant nun von der EU-Kommission genehmigt, verringert den Druck auf die stromintensiven Unternehmen und damit auch das Risiko einer Verlagerung der Produktion in andere Länder. Wird nun auch die Stromsteuer verringert oder gänzlich abgeschafft, werden alle Bezieher von Strom entlastet.
Wie auch immer, wird auf bestimmte Steuern oder Abgaben verzichtet, fehlt das Geld im Haushalt und muss evtl. an anderer Stelle gegenfinanziert werden. Sinnvoll wäre hier das Streichen von klimaschädlichen Subventionen wie die Luftverkehrssteuer, den Tankrabatt oder das Dienstwagenprivileg.
Subventionen müssen grundsätzlich sehr kritisch betrachtet werden: Experten von Wirtschaftsinstituten (iW) und der Energiewende-Kommission kritisieren Subventionen als teuer und nicht nachhaltig und fordern stattdessen niedrigere Systemkosten, etwa durch effizienteren Netzausbau [6].
Weitere Verringerungen bei den Steuern & Abgaben sind möglich, das zeigt der Ländervergleich in Europa. Die größten Hebel zu einer nachhaltig-wirksamen Verringerung der Strompreise liegen allerdings bei der Erzeugung und der Verteilung des Stroms.
Dr.-Ing. Christian Blaufelder
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Teil 5 und letzter Beitrag mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick aus Sicht des Autors erscheint am 3. Mai
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Quellen
[4] https://strom-report.com/strompreis-zusammensetzung/
[5] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/strompreise-bestandteile-staatlich.html
[6] https://strom-report.com/strompreisentwicklung/
[7] https://strom-report.com/strompreise-europa/
[8] https://www.eon.de/de/pk/strom/preisbildung-strom.html
[9] https://1komma5.com/de/strommarkt/strompreis-zusammensetzung/
[10] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/UGR/steuern-weitere-abgaben/umweltbezogene-steuereinnahmen.html#:~:text=Sie%20sind%20hier:%2057%2C2%20Milliarden%20Euro%20Einnahmen%20aus%20umweltbezogenen%20Steuern%20im%20Jahr%202021
[11] https://www.zfk.de/politik/deutschland/stromsteuer-senkung-2026-wie-viel-das-bringt-fuer-wen
[12] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-kommission-industriestrompreis-100.html
[13] https://www.pv-magazine.com/2024/10/23/saudi-arabias-3-7-gw-solar-tender-attracts-lowest-bid-of-0-0129-kwh/
[14] https://www.process.vogel.de/eu-genehmigt-industriestrompreis-entlastung-fuer-unternehmen-a-db4c3d96503139344d0b5e3dc8d35c4c/?cmp=nl-96c61de1-ad8b-4c90-bd4d-9ce196e89a9e&uuid=093F8D97-06F9-4F3A-A081-6D9DB6DD6A34
[15] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/strompreis-zusammensetzung-104.html
[16] https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-wirtschaft/umweltschaedliche-subventionen-in-deutschland#umweltschdliche-subventionen
[17] https://www.klima-allianz.de/fileadmin/user_upload/Dateien/Daten/Publikationen/Studien___Hintergrund/2025-06-05-FOES-KOA-Vertrag-Subventionen.pdf
[18] https://www.germanwatch.org/de/93173
[20] https://www.iwr.de/news/studie-zeigt-milliardenrisiko-bei-gas-neue-gaskraftwerke-treiben-stromkosten-auf-bis-zu-67-cent-kwh-news39561
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